Milch zur Molkerei

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Die Milch muss aus der Kuh, und hin zur Molkerei.

Die Kühe im Dorf wollen täglich zweimal gemolken werden. Das war anno dazumal im kleinsten Kuhstall ebenso wie auf den heutigen meist hunderte, wenn nicht gar tausend Kühe zählenden, riesigen Milchbetrieben so, und geschieht dennoch heute ähnlich wie vor ein, zwei oder dreihundert Jahren.

Nunmehr zwar mit anderen, moderneren und sehr komplexen Gerätschaften, doch Fazit war schon immer: Irgendwie muss die Milch aus der Kuh und in die Kanne.

Damals wurde die von Hand oder später mit der Melkmaschine gemolkene frische Milch nicht mehr im eigenen Hause zu Butter, Käse und Co weiter verarbeitet, sondern zur Sammelstelle einer Molkerei gebracht, und dies geschah im Dorfe zu Elleringhausen wie folgt.

Zweimal täglich von Hand gemolken.

Die Bauern, Hofgehilfen, Landwirtsfrauen oder Mägde molken die Kuh am Morgen und am Abend. Die Milch wurde in Milchkannen gespeichert, in möglichst kühlen Räumen, meist dem Keller, oder einer eigens angelegten Milchkammer gelagert. Am Morgen kam dann „Gottmanns Willi“ mit seinem „Allgaier Traktor“ durchs Dorf gefahren und „Rohden Fritz“ saß hinten auf dem flachen Wagen. An jeder Milchkannenbank wurde angehalten, schnell war der flinke und kräftige Willy vom Traktor runtergesprungen und hat Kanne für Kanne auf den Anhänger bugsiert, wo sie von „Rohden Fritz“ zuerst arrangiert wurden, um sie nach Nieder Waroldern zur dortigen Molkerei zu fahren. Hier entleerten die beiden Männer sie eine nach der anderen in die Milchverarbeitungskessel, um die Kannen anschließend mit dem Traktorgespann wieder heim nach Elleringhausen zu den Milchbänken zu kutschieren.

Zu späterer Zeit wurden die Kannen direkt auf dem Traktorgespann in einen dort fest montierten Sammelbehälter entleert, um diesen dann zum Abpumpen ebenso nach Nieder Waroldern und später Mühlhausen in die jeweilige Molkerei zu chauffieren.

In der „Warolder Molkerei“ traf man sich stets auf einen Schwatz. Meist waren auch einige Nieder Warolder oder Dehringhäuser Bauern und deren Söhne zugegen, man besprach sich zum Wetter, führte Austausch über Saat, Wald, Schlachtwerk oder Ernte, beredete dies und verhandelte das. Der Mann besprach die Angelegenheiten, die es in den Dörfern nun einmal auszutauschen gab, bei „Einer Kelle Buttermilch„, wie „Heinrich Rohde“ zu berichten weiß.

Die Aufteilung der Fahrten entsprach der Menge an Milch.

Der Transport der Milch in Kannen oder später im Sammelbehälter unterlag strengsten Regeln, denn wenn die Fuhre einmal nicht stattgefunden hätte, so wären den Bauern unweigerlich schwerer Schaden entstanden. Je mehr ein Bauer an Milch abgeben konnte, desto mehr Fahrten zur Molkerei hatte er laut der damaligen von Dorf zu Dorf sicher unterschiedlichen, aber doch allgemein angewandten Regeln, durchzuführen.

Die ganz kleinen Bauern, die vielleicht nur eine Kanne Milch täglich ablieferten und meist nicht einmal ein eigenes Pferde- oder Traktorengespann besaßen, hatten somit weniger an Fahrleistung zu erbringen, als die größeren Höfe.

So ergab es sich, dass die Kleinbauern meist das Muskelarbeiten verrichteten; also die Kannen verladen, das Umschütten tätigen, die Behältnisse in die Molkerei tragen, grob ausspülen und wieder heraustragen, erneut verladen und im Dorf an der Milchbank oder direkt am Hof abladen, wogegen die größeren Bauernhöfe die Leistung der Fuhrwerksbetrieblichkeiten erbrachten.

Also die Gespanne zur Verfügung stellen, die Wagen und Zugmaschinen, vormals Viehgespanne, zu warten, bemannen und den sicheren Transport ermöglichen.

Wer kein Fuhrwerk hatte, schleppte Kannen

Bauern die also ein Fuhrwerk besaßen, fuhren im Wechsel die Milch zur Molkerei. Und bei einem Besuch bei Karl und Erika Rohde erzählte Karl Rohde, dass er abwechselnd mit Fritz Krummel die Milch in Elleringhausen mit Trecker und Wagen zur Molkerei gefahren hat. Ab 1.4.1970 fuhr dann ein Milchtankwagen.

Und als die Molkerei zu Nieder Waroldern eines Tages geschlossen werden musste, da die Kapazitäten und Rentabilität nicht mehr ausreichend waren, musste die Milch der umliegenden Dörfer fortan nach Mühlhausen zur neueren, größeren und nunmehr nächstgelegenen Molkerei gefahren werden.

Dies geschah wohl ebenso noch mit Pferdefuhrwerken wie auch unter Verwendung von Traktorengespannen.

Später, als die Kapazitäten der Molkerei in Mühlhausen ebenso wie die der Nieder Warolder Molkerei nicht mehr ausreichend waren, wurde in Waldeck Sachsenhausen eine große, moderne Molkerei gebaut, die aus einer Molkereigenossenschaft ergründet worden war.

Hiermit verlegte sich der Milchumsatz in das erneut etwas weiter entfernte und in der Richtung entgegengesetzt liegende Waldeck Sachsenhausen.

Nebenstehendes Foto: Hofmanns Kuhgespann

Es wurden nun seitens der Molkerei Lastwagen eingesetzt, um die Milch nicht mehr von den Landwirten angeliefert zu bekommen, sondern diese frisch und gekühlt im Sammellastzug direkt an den Höfen abzuholen.

Das war immer so und so bleibts auch.

Krummels Fritz und Rohden Karl hingegen brachten ihre Milch weiterhin, zumindest noch ein paar Jahre lang lieber nach Mühlhausen, solange die Molkerei dort noch in Betrieb war. Ob zum Trotz gegen die Genossenschaften, oder weil das Schwätzchen bei einer Kelle Buttermilch hier angenehmer war, wurde nicht überliefert.

Das Milchbank Schwätzchen.

Sicher ist jedoch, dass das „Milchbank schwatzen“, sich Dorfintern über Neuigkeiten, Tratsch als auch wichtige Gespräche zu Ernte, Wetter und Hochzeit, Hof, Feld und Vieh auszutauschen, über die Jahre hinweg in Vergangenheit geriet.

Mit dem Zusammenschluss der Molkereibetriebe zu Genossenschaften, konnten größere Mengen aufgrund der umfangreicheren Kapazitäten bewältigt werden, doch steriles Behandeln der Produkte, die schiere Entfernung zur Molkerei-Fabrik, als auch die Zugangsbeschränkungen im Betrieb selbst aufgrund von Hygiene verboten nunmehr das Miteinander.

Die beliebte Kelle Buttermilch.

Das „Buttermilch trinken“ geriet in Vergessenheit, das Gespräch an der Milchbank zum Dorfplausch bot sich nicht mehr an.

Mit nachfolgenden Jahren verschwanden die alten hölzernen Milchbänke ebenso wie sie seinerzeit aus der Not heraus entstanden waren, aus dem Dorfbild und der landwirtschaftliche Austausch fand nunmehr meist nach der Kirche bei einem Sonntagsschoppen in Wernerts Gasthaus statt.


Diese Geschichte erzählte der gebürtige Elleringhäuser und nun in Twiste lebende Fritz Rohde als auch der in Elleringhausens ältestem Hof geborene und lebende Heinrich Rohde zum Anekdotenabend in Elleringhausen. Unter allgemeinem Nicken und schmunzelndem Bejahen der anwesenden älteren Bürger teilten die Elleringhäuser ihre Erinnerungen einer harten, aber schönen Zeit miteinander und untereinander.

Quellen Fotos: Archiv KH Göbel sowie Pixabay: kostenlose Grafiken

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