Klosterglocken

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Die Glocken des Klosters zu Volkhardinghausen

Vor fünfhundert Jahren herrschten in unserem Lande Raub und Mord. In Fehde- und Raubzügen verheerten Raubritter das Land.

Ihre Losung war:
Reiten und Rauben ist keine Schande,
Das tun die Besten im ganzen Lande!

Siehe Grafik unten

Besonders die Klöster litten unter den Räubereien. Die schutzlosen Klosterfrauen in Volkhardinghausen verarmten zusehends und Ihr klösterliches Leben verkam immer mehr. Um diesem Übelstand abzuhelfen, wurde das Kloster einem Männerorden übergeben. Bald nach dem Einzug der Augustinerchorherren in das verfallene Gebäude begannen sie damit, die verrotteten Dächer auszubessern, eingestürzte Wände neu aufzumauern und die brachliegenden Äcker zu bestellen. Täglich kamen schwere Fuhren mit Bauholz aus dem Langen Wald und mit Steinen und gebranntem Kalk. Im Dorf munkelte man, daß die Mönche sicher einen Fluchtgang bauen würden, und mancher wollte wissen, ein unterirdischer Gang führe bis nach Braunsen und ein anderer bis nach Nieder-Waroldem.

Eines Tages erklangen dann von dem neuerrichteten spitzen Glockentürmchen des Klosters wieder die Glocken, und das Geläute scholl weit ins Land hinein. Aber der Krieg machte auch vor dem aufblühenden Kloster keinen Halt, und so wurde es eines Tages von fremden Landsknechten belagert. Die Bauern des Dorfs waren in das Kloster geflüchtet und schossen aus schweren Hakenbüchsen gemeinsam mit den Mönchen In das feindliche Lager. Jedesmal, wenn ein Schuß getroffen hatte, riefen sie: „Seht, das sind Volkhardinghäuser Tropfen.“

Aber, obwohl sie sich so wacker wehrten, eines Tages schlug der Feind eine Bresche in die Mauer und drang in das Kloster ein. Wie übel rächten sich da die wilden Landsknechte! Einige Mönche sollen auf Bohlen genagelt worden sein, andere konnten in den Wald entweichen. Einer von ihnen hat nachher als Einsiedler in Klus gelebt und sich sein Essen in Bilstein und Kappel geholt.

An den Bauern aber ließen die Soldaten Ihre ganze Wut aus. Sie warfen sie zu Boden und gossen ihnen Jauche in den Hals. Das seien Schwedentropfen, sagten sie höhnisch, als Vergeltung für die Volkhardinghäuser Tropfen.

Das Kloster wurde bis in den letzten Winkel durchsucht und geplündert. Sogar die Glocken wurden vom Turm geholt. Sie wurden auf Leiterwagen gestellt und fortgefahren. Die tiefste und schwerste Glocke soll nach Wolfhagen gekommen sein, die anderen nach Landau und Twiste. Daher kommt es, daß das Geläute von Twiste zu dem von Landau paßt.


Quelle: Karl Heinz Göbel


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