Ritter Curt

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Ritter Curt von der Wetterburg

Auf der Wetterburg hat einmal ein Ritter gewohnt, der hieß Curt. Er war ein reicher Mann, dabei tapfer und fromm und gerecht gegen jedermann. Aber obwohl er hochangesehen war, so war er doch seit dem Tode seiner Frau nie mehr glücklich geworden. In den Nächten konnte er keinen Schlaf finden, sondern wälzte sich ruhelos in seinem Bett. Spukgestalten. Nachtmahre und schwere Träume quälten ihn, bis er schweißgebadet voller Grauen und Entsetzen aus seinen wilden Träumen auffuhr.


In seiner Not bat er eines Tages die Mönche des Klosters Volkhardinghausen um Rat. Die Mönche aber waren habgierig und heimtückisch und hatten schon seit längerer Zeit ein begehrliches Auge auf die weiten Ländereien des Ritters geworfen. So stellten sie sich besorgt und empfahlen ihm scheinheilig, eine Wallfahrt zum Heiligen Grabe in Jerusalem zu machen.

Dort würde ihm Gnade widerfahren und er würde von seinen schweren Träumen loskommen. Ehe sich der fromme Ritter auf die beschwerliche und gefahrvolle Reise machte, vertraute er den Mönchen seinen einzigen Sohn an, den er über alles liebte. Sie sollten ihn zu einem tüchtigen und frommen Ritter erziehen, damit er einst Curts Güter erben und verwalten konnte. Darauf hatten die falschen Mönche aber nur gewartet.

Eines Tages ging ein Klosterbruder mit dem jungen Ritterssohn in den Wald. Als er abends ohne ihn wiederkam, sagte er zu den Bauern, die ihm begegneten, sie hätten sich im Walde verirrt und der Junge sei ihm verlorengegangen. Er habe gesucht und gerufen, aber der Junge war und blieb verschwunden. Vielleicht hätten ihn die Hollen in der Klus geholt.

Nach einigen Jahren kehrte Ritter Curt von seiner Pilgerfahrt ins Heilige Land zurück und wollte seinen Sohn im Kloster abholen. Mit großem Wehklagen erzählten ihm die Mönche, wie bald nach seinem Aufbruch sein Sohn im Walde verlorengegangen und nicht wieder aufgetaucht war. Curt war zutiefst erschüttert und verzweifelt und verwünschte den Tag, an dem er seinen Sohn verlassen hatte. Bald aber horte er von den Gerüchten, die unter den Bauern umgingen, daß sein Sohn auf so eine geheimnisvolle Weise verschwunden war. Da sammelte er seine Rittergeflossen uni sich, ritt vor das Kloster Volkhardinghausen und drohte es in Brand zu stecken, wenn ihm die Mönche nicht seinen Sohn wiederbrächten. Die Mönche aber begannen zu lamentieren und bei Gott und allen Heiligen zu schwören, daß sein Sohn im Walde von wilden Tieren zerrissen worden sei.

Da trat ein alter Knecht des Ritters Johannes, an ihn heran und wies ihn auf eine versteckte Kellertür. Dahinter verbarg sich ein Gang, der bis unter die Wetterburg führt. Als sie dem Gang folgten, erblickten sie im Schein der Fackeln vor sich einen Mönch, der davonhuschen wollte. Sie griffen ihn, und der Ritter fragte: .Wo hast du meinen Sohn? Gib ihn heraus, oder ich erschlage dich auf der Stelle. Der Mönch aber blieb verstockt und wollte nichts sagen. Sie verprügelten den Mönch, aber er stellte sich so lange taub, bis sie ihn zu Boden warfen und ihm mit ihren Fackeln die Fußsohlen versengten. Da schrie der Mönch auf: Gnade, Gnade, hört auf! Ich führe Euch zu Eurem Sohn, strenger Ritter!

Humpelnd ging er zum Ende des Ganges. Von da gelangten sie zu einem Verlies tief unter dem tiefsten Keller. Dort fanden sie den Sohn. Lumpen hingen in Fetzen an ihm, und er war mit Händen und Füßen an die Mauer des Verlieses gekettet, an der die Feuchtigkeit in Tropfen herabrann. Seine Haare hingen ihm wirr ins Gesicht, der Bart war ihm bis über die Brust gewachsen und die Fingernägel waren lang wie Krallen.

Erschüttert schloß der Ritter den Unglücklichen in seine Arme und trug ihn auf die Wetterburg. Dort ist er bald hernach an Entkräftung gestorben.

Diese Sage wurde meinem Jahrgang noch in der Schule erzählt.
Auch meine Oma kannte sie. K.H.Göbel

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