Wilde

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Der wilde Bach, die Wilde

Wo kommt eigentlich der Name her, und was hat es mit der wilden Wilde so auf sich?

Das sind Fragen, die man sich zuweilen stellt, denn Twiste, Watter oder Gilbecke wären leicht zu definieren, aber der Wilde Fluss in einem so beschaulichen Tal? Ich habe mir also mal Gedanken gemacht, und da ergab sich bei der detaillierten Suche via Lagiskarten eine Idee:

Die Wildefurt an der „Lindweg-Kurve“. Auch heute gut zu erkennen, das Einzugsgebiet des Baches, eben gelegen, weitflächiges Schwemmland.

In nachstehendem Kartenauszug aus dem Jahr 1900 (Lagis) sieht man die Wilde in einem recht wilden Verlauf kreuz und quer durch das Dorf, wobei Elleringhausen damals wohl eher noch eine „Wüstung“ gewesen sein mag. Wie dem auch sei, die „Wilde“ muss im Laufe der Jahrzehnte begradigt worden sein, wie es die weiteren Darstellungen zeigen.

Die Wilde um 1900

Der Verlauf der Wilde um 1900, es ist recht gut zu erkennen, dass hier mehrere Hauptläufe in einem recht breiten Einzugsgebiet inmitten des Dorfes Elleringhausen erscheinen, was darauf schließen lässt, dass es seinerzeit mehrere Bachläufe gegeben haben muss, die im Lauf der Jahre zu einem Hauptbachlauf zusammen gefasst worden sind.

Dies sind meine Vermutungen, nicht bestätigt, allerdings sind es echte topografische Kartenauszüge, die hier mit freundlicher Genehmigung von Lagis abgebildet sind. Auch die Region (in der Karte ganz oben) um Bilstein und die Kappelmühle zeigt ein breitflächiges Feuchtgebiet, ohne definitiven Bachhauptlauf, mit mehreren parallel verlaufenden Bachwegen.

Wilde um 1970

man sieht schon eine „Bereinigung“ des Bachlaufes, der sicher in der heutigen Zeit, also fünfzig Jahre später sehr deutlich zu sehen wäre, allerdings gibt es dazu keine detaillierte Lagis Aufnahme und die von den großen internationalen Suchmaschinen mag ich hier aus verschiedensten Gründen nicht darstellen.

Das könnt ihr aber selbst mal im Internet anfragen 🙂

Hier findet ihr eine schöne Anekdote zur „wilden Wilde“

Die Wilde war nicht immer eine ruhig daliegende Naturschönheit

Ich kann mich aus meiner Kindheit gut an so manche zerstörerische Überschwemmung in Elleringhausen erinnern, die Wassermassen, die aufgrund der steilen Straße direkt auf unser Haus vom „Kehrbusch“ zufließend, aber auch der ebenso steil abschüssigen Fuhrt zum „Korbacher Weg“, des weiteren im Ablauf von der Ellenburg / dem Eselsberg her kommend, als auch seitens der Gilbecke, die aus dem Holzhäuser Kopf ebenso viel Wasser brachte, wie es der Simonskopf gleich tat.

Häuser, die immer wieder in Mitleidenschaft gezogen waren: Hof Bangert sowie die Häuser Paul und ehemals Marowski. Ein Blick auf die topografische Karte zeigt auch, dass die Bebauung und Ausweitung der frühen Siedlung als auch die Dorferweiterung im Laufe der Jahrzehnte hauptsächlich in westlicher Richtung erfolgte, und dies zumeist in sicherem Abstand zu eventuellen Hochwassergefährdungen.

Denn in Elleringhausen trugen – ganz im Gegensatz zu anderen umliegenden Dörfern wie Oberwaroldern oder Dehringhausen – mehrere Höhenzüge, meist aus dem Langen Wald generierend, so viel Wasser dem Wildebach zu, dass dieser oft und meist sehr unvermittelt über die Ufer trat. So verwandelte sich die Wilde schnell in einen reißenden Strom, wobei dieser Begriff natürlich etwas überdimensioniert erscheinen mag. In unserer Kindheit allerdings gab es „unter Androhung der Knute“ keinen Grund, dem Wasserlauf bei solch gefährlicher Strömung nahe zu gehen.

„Da blieveste wech, süss gibbedet wat up din Hingersden“

Originalton, „Polzeiners Opa“ um 1970

Nur die wilde Wilde!

Niederwaroldern, oberhalb von Elleringhausen gelegen, und ebenso von steilen Zuflüssen gespeist, erfuhr oft das gleiche Schicksal einer spontanen Überschwemmung, wobei der Bachverlauf im Dorf grundsätzlich breiter und auch tiefer war als in unserem Dorf, so dass Wassermassen selten so spontan und gefährlich über die Ufer traten. Allerdings habe ich Luckeys, Nagels und andere Niederwarolder Häuser und Höfe noch heute lebhaft vor Augen, wie das Wasser über der Brücke, den gesamten Hof, in die Keller, die Misten und auch die Stallungen getreten war. Die zwei Mühlen am Wilde-Bachlauf, Brudermühle und Burgmühle, deren Wohnzimmer und Küche übrigens erwähnt, die Grenze zwischen Niederwaroldern und Elleringhausen bildet, hatten ebenso mit den Fluten zu kämpfen, lagen aber in einer zwischen Niederwaroldern und Elleringhausen recht breiten Aue, so dass das Wasser Möglichkeit der Ausbreitung fand.

Das am Twiste-Bachverlauf tiefer liegende Braunsen, das aber aufgrund des Wilde Zulauf in besagte Twiste immer mit beeinflusst war, erhält auch heute noch die eine oder andere Überschwemmung, wobei die Wilde, Twiste und zuführende Bäche längst, und das vielleicht aufgrund der seit anderthalb Jahrzehnten entfallenen „Bachbegradigungen“, nicht mehr so viel Wasser führen, als eben damals zu meiner Kindheit. Schlussendlich war es der Twistesee, der aus den Bachläufen Wilde und Twiste gespeist, zu einem heute touristisch sehr beliebten Ausflugsort, hauptsächlich aber zur Stromerzeugung durch ein kleines Sperrmauer integriertes Kraftwerk entstand.

In der Ortschaft Twiste selbst hingegen gab es eher selten solch spontane Überschwemmungen, das Umland weitläufig, keine Sturzbäche, man konnte der sich nahenden Überschwemmung länger entgegensehen.

Mai 2023, Texte, Fotos Rolf Göbel, Kartenauszüge Lagis Hessen topografische Karten

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