Sonntags in die Waldschmiede

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Eine Kurzgeschichte aus dem Jahr 2001

Die Waldschmiede und der Weg dorthin. Ein kurzer Bericht von Malermeister Heinrich Göbel zu den Aktivitäten mit Fotografien aus den Jahren 1938 und 1946. Im Ellerkuser Sprachgebrauch hieß es allerdings nicht in der Waldschmiede, sondern „Auf der Waldschmiede“.

Sonntags in die Waldschmiede.

Ein beliebtes Ausflugsziel der Jugend – Von Heinrich Göbel, Elleringhausen (Handschriftliche Notiz: 08. Juni 2001)

In unserer Jugend war die Schmitte (die Waldschmiede bei Volkhardinghausen) unser beliebtestes Ausflugsziel an Sonntagen, wenn sonst im Dorf nichts Besonderes los war. Damals gab es noch keine befestigte Straße, aber es führten viele Wege zur Schmitte. Der meistgegangene Weg war übers „Pädeken“ (Pfädchen). Ein schmaler Pfad, der steil an der Ellenburg bochführte und dann am Steinbruch vorbei. Wenn das Wetter gut war, saßen wir draußen vor der „Schmitte“ an den großen Tischen vor dem Haus, sonst in der Wirtsstube, und wenn die voll war, was oft vorkam, wurde auch das Wohnzimmer besetzt. In der Wirtsstube stand ein großer Tisch mit einem Sofa, und das war ein besonders gemütlicher Platz.

Wenn der Schmittenwirt, Herr Schäfer, in die Stube kam, mußten wir immer erst ein Lied singen. Das haben wir gern getan. Oft haben wir den ganzen Nachmittag dort gesessen und unsere schönen alten Heimat- und Liebeslieder gesungen. Manchmal kam Frau Schäfer dann und stellte einen großen Teller mit Schmalzbroten auf den Tisch. Während es Abend wurde, kam Herr Schäfer selbst in die Wirtsstube und gebot Feierabend – jedenfalls für uns Jüngere. So, Kinder, jetzt müßt ihr aber nach Hause gehn, sagte er. Und dann gingen wir.

Auf dem Heimweg war es dann schon dunkel und gruselig, und wir haben weitergesungen, bis wir die Lichter von Elleringhausen sahen.

Unser Bild, das im Jahre 1938 aufgenommen wurde, zeigt einen Teil der Elleringhäuser Jugend bei der Waldschmiede. Vorn sitzen Karl Götte und Walter Bernhard, dahinter stehen (von links) Fritz Böttcher, Lina Bangert, Mariechen Griese, Lisa Mirk, Heinrich Göbel, Mariechen Isenberg, Heinrich Eiffert, Heinrich Lütteke, Minna Rohde, Erika von Briel, Irma Beste, Schneidermeister Fritz Fingerhut mit seiner Gitarre, Berta Rohde, Willi Götte, Friedrich Göbel und Fritz Mirk

Vom Regen in die Traufe

Unvergeßlich ist mir ein Ausflug zur Waldschmiede, den wir Pfingsten 1939 unternahmen. Wir hatten uns alle chic gemacht und unsere guten zum größten Teil neuen Sommeranzüge angezogen. Den ganzen Nachmittag haben wir gemütlich in der Wirtsstube gesessen und dabei einige Biere getrunken und zwischendurch auch ein paar Schnäpse. Wir waren toll in Stimmung und merkten gar nicht, daß draußen ein schweres Gewitter tobte. inzwischen war es Abend geworden, und wir mußten nach Hause. Um nicht den holprigen Weg übers Pädeken gehen zu müssen, machten wir uns auf den Heimweg durchs Kirchtal. Aber da waren wir vom Regen in die Traufe geraten. Der Weg war so aufgeweicht und verschlammt, daß uns jeden Augenblick die Beine wegrutschten und wir im Dreck lagen. Und da wir uns eingehängt hatten, fiel nicht nur einer, sondern immer die ganze Truppe. Wir hatten unseren Spaß dabei, aber unsere Anzüge…
Am Schweinestall bei Gerhards war ein Wasserhahn mit einem Schlauch daran. Da haben wir unsere Anzüge vom gröbsten Dreck gereinigt. Heute wundere ich mich noch darüber, mit welcher Fassung unsere Mutter das Debakel ertragen hat.

Eine gemütliche Runde

Auch nach dem Krieg hatte die Waldschmiede nichts von ihrer Anziehungskraft verloren. Das Bild, das im Jahre 1946 aufgenommen wurde, zeigt eine fröhliche Gesellschaft an dem großen Tisch vor der Waldschmiede. In der Tür steht Frau Lina Schäfer, die zweite Frau des Schmittenwirtes. Sitzend von links Ludwig Mirk, Luise Mirk, Martha Beste (Marowsky), Frau und Karl Schieferdecker aus Nieder-Waroldern, Fritze Krumme, Ludwig Mirk sen. und vorn Fritz Fingerhut und Mirks Kinder.

Mein Waldeck, die Heimatbeilage der Waldeckischen Landeszeitung, herausgegeben von Dr. Hermann Bing. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Herausgebers.

Bild oben: Die Elleringhäuser Jugend bei einem Ausflug vor der Waldschmiede (1938).
Bild unten: Eine gemütliche Runde an dem langen Tisch vor der Waldschmiede (1946).

Ausschnitt aus dem Archiv KH Göbel, Textumwandlung R Göbel im August 2023

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