Grenzbegang

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Der Schnade- oder Grenzbegang

Ein „Schnadegang“ oder „Grenzbegang“ ist eine traditionelle Praxis, bei der eine Gemeinschaft oder Gruppe von Menschen die Grenzen eines bestimmten Gebiets oder Grundstücks physisch abgeht oder abläuft, um sicherzustellen, dass die Grenzmarkierungen und -zeichen korrekt und intakt sind. Dies wird oft in ländlichen Gebieten oder Gemeinden durchgeführt, um Konflikte über Landgrenzen zu vermeiden und sicherzustellen, dass keine unbeabsichtigten Grenzüberschreitungen oder Landstreitigkeiten auftreten.

Während des Schnadegangs versammeln sich die betroffenen Parteien, die oft Landbesitzer oder Vertreter der Gemeinschaft sind, an einem bestimmten Tag an einem bestimmten Ort. Dann folgen sie einem festgelegten Pfad entlang der Grenze des Landes. Dies kann durch das Überprüfen von Grenzsteinen, Markierungen oder natürlichen Geländemerkmale erfolgen, um sicherzustellen, dass die tatsächliche Grenze mit den registrierten Grenzlinien übereinstimmt. In einigen Fällen können auch traditionelle Rituale oder Zeremonien während des Schnadegangs durchgeführt werden, um die Bedeutung der Grenzen und die Einheit der Gemeinschaft zu betonen.

Der Schnadegang hat historische Wurzeln und wurde oft genutzt, um Streitigkeiten über Landbesitz zu lösen und sicherzustellen, dass die Landvermessung korrekt war. In vielen Kulturen und Regionen ist der Schnadegang auch heute noch eine wichtige Tradition, die die Verbindung zur Vergangenheit und die Wahrung der Landrechte betont.

Grenzbegang / Schnadegang

der Elleringhäuser Grenzen zu Mengeringhausen und Twiste

Ein Super 8 Filmchen aus der alten Zeit, seinerzeit aufgenommen, und heuer ins Digitale transferiert von KH Göbel

Damals und heute

Anno dazumal, als man Katasterämter, Grundbücher und Gemeindegrenzen noch nicht niederschrieb, sondern die Grenzen der Dörfer und Städte nach Bachläufen, Flüssen, Hecken, Eubern, Hügeln, großen und markanten Bäumen wie Buchen und Eichen, dominanten Felsen oder Gesteinsformationen oder anderweitigen Besonderheiten der jeweiligen Gemarkung festmachte, gab es solche Traditionen wie den Schnadezug oder Grenzbegang noch nicht.

Das änderte sich im Jahre 1525, als eine gesetzliche Verordnung des Landes künftig praktisch Jedermann dazu verpflichtete, die eigenen Flur- und Gemarkungsgrenzen kennen zu lernen. Dazu luden die jeweiligen Schützengilden die Männer der Orte, die Lehrkräfte sowie die älteren Schulkinder ein, diese Flurgrenzen nach Bedarf abzuschreiten. Grenzsteine erfand man erst in den Jahren um Sechzehnhundertsiebzig. Beim heutigen Schnadezug wird eine Person mit dem Allerwertesten über einen solchen Grenzstein gezogen, was bei vielen Grenzsteinen durchaus einen wunden Hintern geben kann.

Gesetz und Ordnung

Einer gesetzlichen Verpflichtung der Landesverordnung aus dem Jahr 1525 zufolge, wurden Grenzbegänge und Schnadezüge zur Pflicht der Bürger. In älteren Zeiten, als es noch keine Kataster- und Grundbuchämter gab, wurden die Gemeindegrenzen meist nur durch Fluss- und Bachläufe, durch Hecken, Wälle oder große und alte Bäume, meist Eichen, bezeichnet.
Grenzsteine setzte man erst ab 1670. Damit nun alle Einwohner der Gemeinde ihre Flurgemarkungsgrenzen kennenlernten, wurden in gewissen Zeitabständen die örtlichen Flurgrenzen unter Führung der Schützengilden abgegangen. Auch die älteren Schulkinder nahmen mit ihren Lehrern daran teil.

Elleringhäuser Schnadegang

Elleringhäuser Grenzbegang zur Waldschmiede

TWISTETAL – ELLERINGHAUSEN (r).
„Der Stein, die Grenze, in Ewigkeit“ hieß es beim Elleringhäuser Grenzbegang, zu dem Ortsbeirat und TSV Elleringhausen eingeladen hatten. Erkundet wurde
diesmal der Grenzabschnitt zwischen Kappelberg“ und Waldschmiede. Nach der Begrüßung durch Ortsvorsteherin Renate Rohde lud Pfarrer Böttcher zu einer Andacht ein. Unterwegs mussten alle Teilnehmer die Grenzsteine spüren. Dabei wurden auch Patenschaften zur Pflege der Steine vergeben. Die älteren Schnadegänger gaben ihr Wissen an die junge Generation weiter. (Foto: pr)

Quelle: Archiv KH Göbel, August 2023


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